Die Beerdigung 

Es ist Samstag morgen, 22.11.03. Ich war am Tag vorher 10 roten Rosen kaufen, 5 mit großer Blüte und 
5 mit etwas kleiner Blüte. Die 5 Großen habe ich zusammen gebunden und auf den kleinen, weißen Sarg gelegt. 



Jedenfalls kam meine Freundin Heike und hat mich in Kaarst abgeholt, wir sind dann nach Brüggen gefahren.
Meine Eltern kamen zeitgleich mit uns an. Ich sah mich um, in der Hoffnung doch Lothar´s Nissan zu sehen, 
aber er kam nicht. Wir sind dann in die Totenhalle gegangen und da stand dieser kleine, weiße Sarg mit jeweils einem 
kleinen Kreuz vorne und hinten. Der Grabredner kam, sprach mir sein Beleid aus und meinte wir könnten jetzt Abschied
nehmen, er ging also raus. Ich legte die Rosen auf den Sarg und machte ein Foto, was meiner Mutter nicht passte.
O-Ton: Sowas macht man nicht. 
Ich aber schon, immerhin würde ich ihn sonst nie wieder ansehen können, jetzt ist er in der tiefen, schwarzen,
nassen Erde. Ich saß ganz still da, starrte auf diesen kleinen Sarg auf dem viel zu großen Sargwagen und konnte 
immer noch nicht glauben, dass dort mein Baby drin liegt. Alles sträubte sich in mir, aber es kamen keine Tränen.
Der Grabredner kam wieder rein und mein Vater und er schoben den Sargwagen mit dem Sarg drauf raus, über den
Friedhof bis zum Grab. Wortlos gingen meine Mutter, Heike und ich hinterher. Dann standen wir nur so da, der Grabredner
sprach leise ein paar Worte. Wir beteten ein Vater-Unser. Bevor der Sarg dann in die Erde hinabgelassen wurde,
habe ich noch ein jüdisches Gebet vorgelesen:

Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie.

Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie.

Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie.

Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie.

Zu Beginn des Jahres
und wenn es zu Ende geht,
erinnern wir uns an sie.

Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie.

Wenn wir verloren sind
und krank in unseren Herzen,
erinnern wir uns an sie.

Wenn wir Freude erleben,
die wir so gern teilen würden,
erinnern wir uns an sie.

So lange wir leben,
werden sie auch leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.

("Tore des Gebets", reformiertes jüdisches Gebetbuch)

Danach ließen der Grabredner und mein Vater Finn in seinem weißen Sarg hinunter ins Grab.
Ich trat einen Schritt nach vorne und blickte hinein. Da stand er nun, tief unten, mit den schönen roten
Rosen. Und ich hatte noch 5 roten Rosen in meiner Hand, die ich nacheinander auf den Sarg warf.

1 Rose für die Liebe, die ich für Dich empfinde
1 Rose für die Hoffnung, die Du in mein Leben gebracht hast
1 Rose für den Sinn, den Du meinem Leben gabst
1 Rose für die schöne Zeit, die wir zusammen verbrachten
und
1 Rose für Trauer und Schmerzen, welche ich empfinde, weil Du nicht mehr bei mir bist

Und jetzt kamen auch endlich meine Tränen. Ich wollte runter steigen und mein Baby wieder hoch holen,
kann ihn doch nicht da unten liegen lassen, wo es so kalt und dunkel ist. 

Auch jetzt noch, wenn ich an Finn´s Grab stehe und mir die Tränen über die Wangen laufen, drängt
es in mir ihn einfach wieder auszubuddeln. Und manchmal ist mir einfach danach mich neben ihn zu legen. 
Es kostet mich viel Kraft morgens immer wieder aufzustehen, weil ich mir oft abends wünsche am nächsten 
Morgen nicht mehr aufzuwachen. Ich realisier noch nicht wirklich, dass ich Finn nie mehr sehen
werde, ihn nie richtig im Arm halten werde. Nie mehr, nie mehr, nie mehr....so endgültig.

Kein erstes Lächeln, kein erster Zahn, kein erstes Wort, kein erster Schritt,
um all die Erlebnisse wurden wir betrogen, das ist so bitter!!!